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Fünf bedeutende Themen für Trumps zweites Jahr




07.12.17 12:35
Aviva Investors

Frankfurt (www.aktiencheck.de) - US-Präsident Donald Trump hatte ein eigenwilliges erstes Amtsjahr, so Michael Grady, Senior Economist bei Aviva Investors.

Vor allem beim Thema Wirtschaftswachstum und Produktion sei viel Hoffnung auf ihn gesetzt worden. Gleichzeitig sei die Sorge groß gewesen, dass er die Beziehung zu langjährigen Handelspartnern zerstören und Verbündete des Landes verprellen könnte.

Die US-Finanzmärkte hätten positiv auf Trumps Performance reagiert, seine Ecken und Kanten aber scheinen sie zu ignorieren. Die Aktienindices hätten sich auf neue Höchststände zubewegt, während bei den Zinssätzen Stillstand herrsche. Immerhin habe sich der US-Dollar nach den ersten drei Quartalen gegenüber wichtigen globalen Währungen stabilisiert.

Doch was könnten die Märkte vom zweiten Jahr des Präsidenten erwarten? Folgende fünf Themen sollten die Investoren 2018 auf dem Radar haben.

1. Steuerreform

Die Steuerreform sei jene von Trumps Kampagneninitiativen gewesen, die mit größter Spannung erwartet worden sei. Seine Wunschliste habe vor allem niedrigere Unternehmenssteuern und vereinfachte Steuerklassen für Privatpersonen beinhaltet.

Viele der vorgeschlagenen Reformbestimmungen würden sich auf US-Unternehmen auswirken, darunter eine einmalige Rückführung von im Ausland gehaltenen Gewinnen und Beschränkungen der steuerlichen Abzugsfähigkeit von Zinszahlungen. Bereinigte Regeln für ausländische Gewinne würden US-Unternehmen ermutigen, diese Gewinne für Kapitalanlagen oder Akquisitionen zu reinvestieren. Veränderte Zinsabzugsmöglichkeiten würden die Emission von Schuldverschreibungen für einige Unternehmen weniger attraktiv machen und die Dynamik am amerikanischen Unternehmensanleihemarkt verändern.

Donald Trump wolle diese Reformen noch vor Jahresende umsetzen. Doch die Gesetzgebung sei kompliziert und werde von einigen betroffenen Branchen abgelehnt. Die jetzt vom Senat gebilligte Version des Steuerpakets müsse nun noch mit dem Modell abgeglichen werden, das das Repräsentantenhaus beschlossen habe. Erst nach abschließenden Abstimmungen in beiden Häusern des Kongresses könne Trump das Gesetz unterzeichnen. Dennoch dürften die Märkte den Trump-Handel zu weit getrieben und die Wahrscheinlichkeit, dass die Steuerreform zum Gesetz werde, unterschätzt haben. Doch selbst eine bescheidene Reform könnte ein gewisses Aufwärtspotenzial für die Märkte mit sich bringen.

2. Handel

Trumps Handelspolitik habe eine bedeutende Wahlunterstützung durch die amerikanische Arbeiterklasse gewonnen. Seine frühen Aktionen hinsichtlich bestehender Handelsabkommen, wie den Rückzug der USA aus der Transpazifischen Partnerschaft TPP, hätten seine Haltung als Globalisierungsgegner unterstrichen. Bei seinem Asienbesuch im November habe er jedoch frühere US-Regierungen und nicht China für die wachsende Handelslücke zwischen den beiden Ländern verantwortlich gemacht. Er sei dann zu protektionistischen Themen zurückgekehrt, als er das breitere Forum der Asiatisch-Pazifischen Wirtschaftskooperation angesprochen habe.

Es bleibe abzuwarten, welchen Verlauf Trumps Entscheidungen nehmen würden und wie sich die Handelspolitik der Regierung entwickle. US-Zölle auf südkoreanische Waschmaschinen und britische sowie kanadische Passagierjets könnten im Inland gut funktionieren, die laufenden Beziehungen zu wichtigen US-Handelspartnern allerdings erschweren. Bezeichnenderweise gebe es geschäftliche und politische Interessen in den USA, auch innerhalb von Trumps eigener Partei, die den freien Handel begünstigen und versuchen würden, jegliche rein protektionistische Maßnahmen abzuschwächen.

3. Deregulierung der Finanzdienstleistungen

Trump genieße seine Macht und habe sie bereitwillig genutzt, um zahlreiche Regulierungsbestimmungen rückgängig zu machen, ohne den Kongress mit einzubeziehen. Ein Großteil dieser Deregulierung erhalte oder schaffe amerikanische Arbeitsplätze. Ein Schwerpunkt habe auf der Aufhebung einiger Vorschriften für den Finanzsektor gelegen, die nach der globalen Finanzkrise in den Jahren 2007 bis 2009 in Kraft getreten seien. Obwohl viele dieser Regeln als Reaktion auf den Zusammenbruch der Banken verständlich gewesen seien, könne selbst eine gut gemeinte Regulierung die Finanzmärkte daran hindern, effektiv zu funktionieren.

4. Federal Reserve Termine

Für die meisten US-Präsidenten ungewöhnlich, habe Donald Trump die Gelegenheit, die Zukunft der US-Geldpolitik mitzugestalten. Er habe mehrere der offenen Stellen des siebenköpfigen Gouverneursrats der FED besetzt und im November Jerome Powell als neuen FED-Vorsitzenden nominiert, um Janet Yellen zu ersetzen. Powell sei aktuell FED-Governeur und gelte als eher gemäßigter Vertreter bei der Geldpolitik. Längerfristig betrachtet könnte Trump daran interessiert sein, einen Zentralbankrat zu formen, der ein schnelleres Wirtschaftswachstum und die Aufrechterhaltung einer expansiven Geldpolitik unterstütze.

5. Kongress-Halbzeitbilanz

Die Wahlen für alle 435 Abgeordneten im US-Repräsentantenhaus und die 33 US-Senatoren würden im November 2018 genauestens verfolgt werden. Gegenwärtig hätten die Republikaner einen Vorteil von 46 Stimmen im Repräsentantenhaus und einen von vier Stimmen im Senat. Selbst nach den kürzlich verkündeten Abgängen zweier Grand Old Party-Senatoren stünden mehr amtierende demokratische Senatoren als Republikaner zur Wiederwahl 2018 zur Verfügung.

Denn letztlich müsse die im Senat gebilligte Version des Steuerpakets noch mit der vom Repräsentantenhaus gebilligten Fassung in Einklang gebracht werden. Dies werde der Schlüssel für die Wiederwahlchancen vieler amtierender Abgeordneten sein. (07.12.2017/ac/a/m)






 
 
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